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Was ist rot, kommt einmal im Monat zu Besuch...

...und macht den wenigsten Frauen eine Freude?
Text: Sarah Cohen
Fotos: Unsplash & OH WOMAN
15.04.2021
Rotes Eis am Stiel
Nein, nein, es ist nicht die Rede vom Schwiegermonster – sondern von der Periode! Große Teile der Gesellschaft, meist die männliche, tut sich immer noch schwer damit, das Kind beim Namen zu nennen: Periode, Monatsblutung, Regel.

Jahrzehntelang haben sich Frauen angepasst und lieber von der „roten Tante, die zu Besuch kommt” gesprochen, um dann schnell heimlich mit dem o.b. in der geballten Faust in die Damentoilette zu verschwinden.

Doch in den vergangenen Monaten lässt sich eine blutige Revolution beobachten: Während es in Schottland Menstruationsprodukte mittlerweile kostenlos gibt, hat Deutschland zumindest die Luxusteuer für Binden und co von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Das hat wiederum zu einem großen Social-Media-Aufschrei in der Männerwelt geführt. Perioden-Neid? Nein, soweit ist es noch nicht. Die Begründung der Herren ist eher praktisch: sie hätten zumindest gerne Rasierschaum umsonst, man müsse ja fair bleiben. Ok, wenn wir so an die Sache rangehen wollen, dann sollten Zahnpasta, Nahrung , Klopapier und Wasser auch kostenlos sein, es handelt sich hierbei schließlich auch um menschliche Grundbedürfnisse. Zudem bestehen Frauen nicht darauf, dass es Menstruationsprodukte umsonst geben soll (schön wäre es trotzdem), sondern es geht darum, dass sie nicht wie ein Luxusprodukt, wie zum Beispiel Kaviar besteuert werden. Wenn man es hochrechnet sind es umgerechnet 12 Euro pro Jahr, die Frauen einsparen. Die meisten würden wohl lieber Rasierschaum kaufen und dafür auf Unterleibsschmerzen, Migräne und Stimmungsschwankungen verzichten, wenn sie denn könnten. Doch genau das ist der kleine aber feine Unterschied: Man(n) kann sich rasieren, muss er aber nicht. 

Frauen haben nicht den Luxus, diese Entscheidung zu treffen, sie müssen einmal pro Monat bluten. Ob sie wollen oder nicht.
Gründerinnen von "OH WOMAN": Tanja Hernandez & Stephanie Renz

Ein weiterer Aspekt der Revolution zielt darauf ab, dieses allgemeine Schamgefühl rund um das Thema Periode abzubauen unter dem unter anderem junge Mädchen in Ländern wie Indien stark leiden müssen. Auch Stephanie Renz (25) und Tania Hernandez (29) kannten dieses Gefühl: „Die eigene Periode war immer etwas negatives. Blut hat einen ekligen und unreinen Ruf, zudem werden Schmerzen assoziiert. Es scheint besser, all das zu verstecken. Dabei ist es ein vollkommen natürlicher und wichtiger Prozess im Körper einer Frau”, sagt Stephanie.

Das Holz-Brettspiel "OH WOMAN"

Aus diesem Grund haben sich die Freundinnen der Revolte angeschlossen und mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne das Holz-Brettspiel „OH WOMAN” auf den Markt gebracht – Blutstropfen, Binden und 40 spannende Fragen rund um den weiblichen Zyklus inklusive. „Wir wollen Frauen aber auch Männern helfen, sich mehr und vor allen Dingen spielerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen, deshalb ist der Name ganz bewusst WoMAN.

Die Periode ist ein Thema, dass nicht nur die halbe Weltbevölkerung betrifft, sondern alle”, sagt Tania und Stephanie fügt hinzu: „Wir bekommen sehr positives Feedback von Männern, sie sind sehr interessiert, wissen aber im Grunde wenig und lernen in der Regel alles von ihren Freundinnen.” Ein weiterer Erfolg für die Gründerinnen ist auch die große Nachfrage von LehrerInnen: „In der Pubertät beginnt man sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen aber der Sexualkunde Unterricht ist etwas trocken und es wird kaum über die Periode gesprochen”, erinnert sich Stephanie an ihre eigene Jugend. „Und in der Werbung wird einem hübsches blaues Blut in der Binde gezeigt”, ergänzt Tania, „deshalb freut es uns umso mehr, dass unser Spiel an verschiedenen Schulen im Unterricht getestet wird und hoffentlich in der Zukunft hilft, dieses Tabuthema zu normalisieren”.