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Einfach mal eine Auszeit nehmen:

für deine Lebensqualität und Gesundheit
Text: Laura Letschert
Fotos: Unsplash
18.08.2021
Kerze mit Decke und Trockenblumen
Letztes Jahr habe ich mir das erste Mal eine bewusste Auszeit genommen. Wie auch in diesem Jahr hatte ich mir den ganzen August als persönliche Auszeit reserviert. Ich bin zwar zuvor schon zwei Mal für längere Zeit auf Reisen gewesen, aber es war das erste Mal, dass ich mir einen Monat freigenommen hatte, ohne einen Plan für diese Zeit zu haben. Dieses Jahr war ich wegen einer gesundheitlichen Angelegenheit die ersten zwei Augustwochen leider ziemlich eingespannt, aber gerade deswegen bin ich froh, dass mir jetzt noch zwei Wochen von dieser Zeit nur für mich bleiben.

Vielleicht denkst du jetzt, dass es dir nicht möglich wäre, einen kompletten Monat oder länger frei zu nehmen und überlegst, ob es sich lohnt, diesen Artikel weiter zu lesen? Ich antworte dir mit "Ja!". Gerade dann solltest du weiterlesen. In diesem Artikel lade ich dich ein, dir dein eigenes Bild von Auszeit zu malen und dir Auszeitmomente in dein Leben zu holen – egal wie groß oder klein sie sein mögen.

Auszeiten für die Lebensqualität und Gesundheit

Auszeitmomente sind wertvoll und wichtig. Sie sind so vielfältig, wie du es bist und können ein bewusster Atemzug oder ein befreiendes Herumwirbeln zu deinem Lieblingssong sein. Wie so oft steht hier Qualität vor Quantität. Das heißt, es ist viel entscheidender, dass du für dich weißt, was für dich Auszeit ist und wie du sie für dich erlebbar machen kannst, anstatt dir so viel wie möglich Auszeiten zu nehmen, ohne sie als solche zu erleben.

Auszeit von Ausreden

Gleichzeitig spielt Zeit bei deiner Auszeit auch eine wichtige Rolle, denn echte Erholung setzt erst nach etwa zwei Wochen ein.

Übrigens: Der menschliche Körper braucht 90 Tage, bis sich jede Zelle einmal erneuert hat (also je nach Zelltyp brauchen die Zellen unterschiedlich lang, aber insgesamt braucht unser Organismus für diesen Erneuerungsprozess 90 Tage). Deinem Körper, deiner Seele und deinem Geist Zeit zu schenken und nicht auf Knopfdruck, Auszeit oder Regeneration zu erwarten, ist also schon mal ein wichtiger Anfang.

Wenn dir jetzt wieder der Gedanke kommt „Das ist ja schön, wenn das für einige Menschen machbar ist, sich längere Zeit frei zu nehmen, aber für mich ist das unmöglich bei meinen Verpflichtungen.", dann möchte ich dich hier ein wenig herausfordern. Häufig läuft genau dieser innere Dialog in uns ab. Er lässt uns bequem in der Komfortzone bzw. Opferhaltung verweilen. Wir finden immer neue Gründe, warum etwas auf gar keinen Fall geht und versuchen es nicht einmal anzugehen, aus Angst. Doch wenn wir hier in die Offensive gehen und fragen: „Wie könnte es dennoch funktionieren?", über unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte sprechen, eine andere Perspektive einnehmen und andere um Unterstützung bitten, dann werden plötzlich kreative Lösungen sichtbar und so vieles möglich, was wir vorher für unmöglich gehalten haben. Lies hier auch gerne meinen Artikel zum Thema Mut.

Abschließend möchte ich dir noch folgenden Impuls mitgeben: Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt für eine Auszeit und es wird auch keine gute Fee vorbeifliegen und dir diese Auszeit herbeizaubern! Sei es dir selbst wert, sei du dir selbst wert und steh für deine Sehnsüchte ein - es wird kein anderer für dich tun! Also plane dir am besten jetzt schon eine feste Zeit ein, in der du konsequent eine Auszeit machen wirst.

3 Schlüsselfragen zu deiner persönlichen Auszeit

Um jetzt näher in deine persönliche Definition und Gestaltung einer Auszeit einzusteigen, möchte ich mit drei Schlüsselfrage betrachten. 

  • Wovon genau wünschst du dir eine Auszeit in deinem Leben?
    Du kannst dich sowohl nach einer Auszeit von äußeren wie auch von inneren Aspekten sehnen:
    Äußere Aspekte
    sind zum Beispiel Orte, Menschen, Aufgaben, Social Media, Diskussionen mit x, bestimmte Alltagsmuster oder Pflichten, lange Autofahrten, ständige Termine, Mails etc..
    Innere Aspekte
    sind zum Beispiel Sorgen, das immerwährende Grübeln, die eigene Erwartung an dich über all 120 % zu geben, negative Gedanken, Erfolgsdruck oder der ständige Vergleich mit anderen.

    Es ist wertvoll im Alltag dir diese Aspekte bewusst zu machen, damit du gezielt ansetzen kannst. Welche sind Belastungen und welche brauchen ab und zu einfach nur mal den bekannten Tapetenwechsel? Manche dieser lassen sich von dir langfristig anders gestalten oder du kannst Belastungen präventiv angehen, sodass du sie gar nicht mehr als solche empfindest. Andere Aspekte geben die einen Aufschluss darüber, wie du eine Auszeit wirkungsvoll für dich gestalten kannst. Wenn du beispielsweise merkst, dass dich der tägliche Stadtlärm sehr stresst, wäre es nicht sonderlich effektiv, eine Städtereise als Auszeit zu unternehmen.
  • Die zweite Schlüsselfrage, die dich deiner persönlichen Auszeit näherbringen kann: Was genau verstehst du unter dem Begriff Auszeit bzw. verbindest du damit? Ich möchte dir meine eigene Definition als mögliche Inspiration vorstellen: Ich verbinde Auszeit mit dem Erfüllen von inneren Sehnsüchten. Derzeit sind es zwei, die besonders laut in mir sind und die gleichzeitig zwei Gegenpole in mir verkörpern: Erdung & Freiheit.

    Erdung bedeutet für mich...

    in der Natur oder an einem Rückzugsort in mich hinein spüren, Stille, Einkehr, gut mit mir in Kontakt zu sein, mich mit mir zu verbinden, zur Ruhe zu kommen, Kraft und Sicherheit zu tanken, mich auf das Wesentliche zu besinnen, mich zu fokussieren und friedlich zu werden.

    Freiheit erlebe ich...
    in der Natur, in der Kunst, Kultur, in der Bewegung, im Energie freisetzen, im mich Ausprobieren, loswirbeln, im Abenteuer erleben, im Wind, in der Kreativität, in der Leichtigkeit, im sorglos sein, Lachen, im Entdecken, im neugierig sein und wenn ich alles loslasse.

    In der Kombination aus den Kontrasten und Facetten ist alles möglich. Je nachdem, was mir gerade guttut oder was ich in meinem alltäglichen Leben vernachlässigt habe. Zum Beispiel brauche ich Mal ganz viel Raum für mich allein und Mal sauge ich jede neue Begegnung auf und genieße enge Verbindungen mit anderen. Es ist eine so spannende Reise und immer anders!

Entdecke deine Sehnsüchte und kreiere deine eigene Definition

  • Und an dieser Stelle möchte ich gleich die dritte wesentliche Frage anschließen: Wie kannst du deine Auszeit konkret gestalten?
    Auch dazu möchte ich dir wieder ein paar Ideen mitgeben:
    • Tu, was immer dir gut tut und was sich nicht nach einer To-Do Liste anfühlt. Wir machen den "größte Fehler", wenn sich die eigentliche Auszeit nach einer Liste fühlt, die wir abarbeiten müssen und Selbstfürsorge zu Stress wird!
    • Verplane nicht deine ganze freie Zeit! Wie wäre es sogar damit, dir gar nichts vorzunehmen, sondern dich einfach treiben zu lassen, in den Tag hinein zu leben und dich überraschen lassen, von dem was er bereithält?
    • Auf was hast du jetzt Lust, genau in diesem Moment? Weil du keinen Plan hast, schenkst du dir alle Freiheit und Spontanität, genau das jetzt auch zu tun und nicht erst übermorgen in deinen Plan zu quetschen.
    • Wann hast du das letzte Mal etwas völlig Neues getan? Es ist besonders schön etwas Neues auszuprobieren, um gewohnte Muster zu durchbrechen, dich selbst neu kennenzulernen und Frische zu tanken. Ein neuer Ort, ein neues Buch, eine fremde Kultur oder ein noch nie probiertes Gericht eröffnen dir völlig neue Welten.
    • Umgib dich mit Schönem - für alle Sinne! Wohlfühlorte, gutes Essen, wohltuende Materialien und Düfte, Klänge und Musik, die dir gut tun und vieles mehr.
    • Entdecke das kreative, spielerische Kind in dir! Ich erlebe immer wieder, dass Kreativität und das spielerisches Gestalten befreiend sind. Mit Spaß etwas zu erschaffen oder zu erlernen - einfach aus Spaß! Also los zum Erkunden, Singen, Malen, Sammeln, basteln, tanzen, träumen und Spielen!
    • Eine Auszeit ist der richtige Zeitpunkt, um dir deine Herzenswünsche zu erfüllen: Du wolltest schon immer ein Gedicht schreiben, Surfen, Theater spieln oder jemanden Besuchen?
    • Nichtstun, Träumen und Langweilen - der Hammer, wenn du mich fragst!
    • Entdecke die Einfachheit! Es sind die einfachen erdenden Aspekte, wie ein Spaziergang im Wald oder in den Sternenhimmel schauen, die dir Auszeitmoment bereiten!
    • Die Kraft der Stille kann Eindrucksvolles bewirken. Vielleicht hast du Lust dazu meinen letzten Artikel zum Thema zu lesen
    • Komplettes Rausziehen aus dem Alltag, stiller Rückzug oder Reinstürzen ins volle Leben, Auszeit kann wie gesagt alles sein und ist das, was du daraus machst.

Deswegen ist mir, bei all der Inspiration, die du jetzt von mir bekommen hast oder auch in zahlreichen Posts, Videos und anderen Artikeln findest, das Wichtigste: Sperre dich bitte nicht in ein Gefängnis, indem du dir selbst einredest „Siehst du, so muss echte Auszeit aussehen, du darfst nicht zwei Tage im Bett liegen, dich einkuscheln und Serien schauen. Das ist verlorene Zeit". Genieße alles ohne schlechtes Gewissen, Verbote, die Angst etwas zu verpassen oder ein Verurteilen!

Mit diesem Statement möchte ich diesen Artikel auch beenden und ich hoffe, dass er dein liebevoller Begleiter bei deiner persönlichen Auszeit sein wird!

Ein kleines Geschenk für dich: das Kerzenritual

Da ich dir die drei Reflexionsfragen schon im Artikel vorgestellt habe, möchte ich dir als kleines Geschenk eines meiner Lieblingsrituale vorstellen. Es ist wunderschön, um in deine persönliche Auszeit einzusteigen, das Herz und den Kopf frei zu bekommen und den trubeligen Alltag sacken zu lassen:

Nimm dir einen Abend Zeit für dich und richte dich an deinem Lieblingsort gemütlich ein. Versorge dich mit einem leckeren Getränk und mach dir schöne Musik an. Lege dir (6 oder 12) Teelichter oder Kerzen und ein Feuerzeug für das Ritual bereit.

Es geht darum das letzte halbe Jahr oder Jahr bewusst nachzuspüren. Du entscheidest welche Zeitspanne du dir anschauen möchtest. Nach und nach zündest du für jeden der vergangenen (6 oder 12) Monate ein Teelicht an. Du beginnst hier chronologisch mit dem entferntesten Monat. Dabei zündest du ein Teelicht für diesen Monat an und reflektierst für dich folgende Fragen (die, die du möchtest):

  • Was habe ich in diesem Monat erlebt? Was war besonders präsent? Wofür stand dieser Monat?
  • Was hat mich vor Herausforderungen, Sorgen und Fragen gestellt? Was hat mich gefordert?
  • Was habe ich hier geleistet, gemeistert? Auf was bin ich stolz? Wo bin ich über mich hinausgewachsen?

Halte am Ende inne und schaue dir die Lichter an. Lasse alles auf dich wirken und spüre nach, was du aus dieser Zeit ganz bewusst...
...für dich in deine Zukunft mitnehmen möchtest.
...für dich zurücklassen möchtest und
...wofür du dankbar bist.

Lass es dir gut gehen!
Deine Laura

P.S.: Ich freu mich, wenn du mich an deinen Erfahrungen teilhaben lässt!